Geschichte des AFCB

 1. Die Gründung

Der Akademische Fechtclub Bern AFCB wurde 1965 gegründet. Am 21. April entschloss sich ein Dutzend fechtbegeisterter Studierender der Uni Bern – darunter bereits 2 Student i n n e n ! –, einen „Akademischen Fechtclub Bern“ zu gründen, da sie das Fechten als sportlichen Wettkampf und nicht im Stil der „schlagenden Verbindungen“ betreiben wollten. Die 12 Unentwegten im Saal des Zunfthauses „zu Webern“ entschieden sich für einen Semesterbeitrag von 20.- und einen Vertrag mit dem Universitäts-Fechtmeister Adam Erik Dorsch, der auf dem Fechtboden unter der Kuppel des Uni-Hauptgebäudes bereits die „Schlagenden“ unterrichtete.

 

Gründungspräsident Charles Maurer konnte sich über einen Mangel an Anfangsschwierigkeiten nicht beklagen : Zwar wurde der neue Verein vom Universitäts-Sportamt mit viel Wohlwollen begrüsst, doch missfiel sein Name dem traditionsreichen „Fechtclub Bern“, der befürchtete, es könnten Verwechslungen entstehen zwischen dem einen Verein m i t und dem anderen o h n e Prädikat „akademisch“! Befürchtungen, die sich inzwischen als unbegründet erwiesen haben, da der AFCB weder eine dünkelhafte Einbildung auf dem „A“ entwickelte, noch in sportlicher Hinsicht an die Erfolge des FCB herankam. Im Gegenteil, zwischen den beiden Vereinen, und übrigens auch mit den zwei weiteren stadtbernischen Fechtclubs, der „Fechtgesellschaft Bern“ (FGB)  und den „Berner Fechtkameraden“ (BFK) , entstand eine echte freundnachbarliche Partnerschaft.

 

Weitere Schwierigkeiten folgten: Munter suchte der 12köpfige AFCB geradewegs den Anschluss an den „Internationalen Fechtverband“ (FIE) – und musste sich sagen lassen, dass da vorher noch ein Bernischer und ein Schweizerischer Fechtverband zu begrüssen wäre!  Der mit Fechtmeister Dorsch ausgehandelte Vertrag sollte in einem Doppel auf dem Universitäts-Sportamt hinterlegt werden – wogegen aber Fechtmeister Dorsch  „in aller Schärfe protestierte,… da er ein f r e i e r Fechtmeister sei und derartige Abmachungen das Sportamt nichts angingen“!

 

Als man im Oktober des Gründungsjahres 1965 aus der bloss 13 x 13 m messenden Uni-Kuppel in die Alte Uni-Turnhalle dislozieren konnte, Fechtmeister Dorsch jedoch den Weg vom Uni-Hauptgebäude ins Neufeld „zu beschwerlich“ fand, richtete der AFCB ihm zuliebe einen eigenen „Auto-Abholdienst“ vor jedem Training ein.

 

Am  23.1.1966 wurde der AFCB in die „Fédération Suisse d’Escrime“ aufgenommen,

am 15.2 1966 in den „Kantonalbernischen Fechtverband“.

Am 25.5.1966 nahmen erstmals Mitglieder des AFCB an den „Bernischen Hochschulmeisterschaften“ (BUM) teil – mit welchem Erfolg verschweigen die Archive.

 

2. Der Kampf ums Überleben

Der Tod von Fechtmeister Adam Erik Dorsch im Oktober 1966 bedeutete für den AFCB einen schweren Schlag: 3 Jahre sollte fortan der AFCB ohne Fechtlehrer sein! In den Protokollen ist die Rede von fehlendem geordnetem Training, von mangelndem Interesse am Fechten, von Krise  .. nur dank der Beharrlichkeit und dem unermüdlichen Einsatz des neuen Präsidenten Renatus Gallati (später Grossrat und  Bankdirektor ) ging das Schiff der AFCB  nicht gleich wieder unter. In selbstloser Weise erteilte Walter Giger (Vater des ehem. Spitzenfechters Daniel Giger) vom Fechtclub Bern Woche für Woche Leçons, ja er wirkte sogar als Coach bei der Teilnahme an den Schweizerischen Hochschulmeisterschaften 1968 inZürich. Mit viel Engagement versuchte man, die Leute bei der Stange (oder besser: auf der Fechtpiste) zu halten, so unter anderem auch durch gesellige Anlässe.

 

3. Neuanfang mit Olympiafechter und neuer Sportanlage

Nach dem Tod von Uni-Fechtmeister Adam Erik Dorsch ( Okt.1966) war die Suche nach einem Nachfolger schwierig. Unermüdlich  waren diesbezüglich die Bemühungen des Präsidenten Gallati und des Leiters des Unisportamtes und späteren Direktors des „Instituts für Leibeserziehungen und Sport“ (ILS), des heutigen Instituts für Sportwissenschaft (ISPW), Prof. Dr. Ernst Struplers.  Im Frühling 1969  werden Gespräche aufgenommen mit dem deutschen Olympia-Degenfechter Franz Rompza (4 x Deutscher Meister im Degen Einzel, 3 x mit der Mannschaft, 7. an den Olympischen Spielen in Tokio, u.a.m.), zurzeit in der Fechtmeister-Ausbildung an der Sport-Hochschule in Köln. Nachdem die Bedenken der „schlagenden Verbindungen“, dieser neue Fechtmeister verstehe nichts von ihrer Art des Fechtens, mit dem Hinweis auf dessen Ausbildung auch in diesem Bereich beseitigt werden konnten, trat Franz Rompza am 1.10.1969 sein Amt als Universitäts-Fechtmeister und Trainer des AFCB an.

 

Die Situation war für Franz Rompza anfangs nicht sehr rosig:

Der AFCB musste in einem „provisorischen Fechtsaal“ im „Alten Tierspital“ an der Neubrückstrasse (heute Uni-Institute für Informatik und Angewandte Mathematik und des Departements Betriebswirtschaft .),  in einer Baracke 7 x 9 m (!) , mit einer Damengarderobe mit 1 (!) Dusche, einer Herrengarderobe mit 1 (!) Dusche, einem Lehrerzimmer und e i n e m (!) WC sein Training betreiben. Das  Verhältnis  zwischen  AFCB-Fechtern und Uni-Fechtern war von Zwistigkeiten geprägt, im AFCB-Vorstand herrschten Untätigkeit und Intrigen. Die etwas chaotischen Jahre 1970 bis 1980 bedeuteten die Pubertät des AFCB.

 

Das Verdienst für die Rettung des AFCB kommt eindeutig Fritz Holzer zu. Der langjährige Direktor Unisport  übernahm am 22.Juni 1981 das Präsidenten amt und sorgte für Ordnung und neuen Kurs.

Gleichzeitig wurde eine neue Universitäts-Sportanlage im Neufeld geplant.

Franz Rompza konnte dabei den „schönsten Fechtsaal Europas“ einrichten. Am 23.Sept. 1982 konnte die neue Sportanlage bezogen werden.

 

4. Der AFCB etabliert sich

Auf eine Idee Rompza hin wagte sich der AFCB an die Organisation eines „Internationalen Studenten-Mannschafts-Fechtturniers Bern“ (ISMFB;  heute „Swiss International Fencing Tournament for Students“ SWIFT), ein Unternehmen, das den Ruf des AFCB bis nach Schweden und Finnland hinauf, aber auch in den Osten nach Ungarn, Polen und sogar in die Sowjetische Ukraine tragen sollte. Fritz Holzer mit seinen internationalen Kontakten im Studentensport lud die entsprechenden Teams ein, die Aktiven des AFCB, ihre Frauen und Freundinnen stellten in einem Grosseinsatz eine tadellosen Organisation sicher und die Berner Altstadt, das traditionelle Bankett in einem stilvollen Lokal sowie die zusammengetrommelten Preise  für den ersten bis zum letzten Fechter schufen eine kameradschaftliche Atmosphäre, die auch heute, nach der 30.Austragung, noch anhält.

 

Im Oktober 1983 hat der Ungare Laszlo Héri, ehemals Mitglied der ungarischen Florett-Nationalmannschaft, vorerst als Assistenztrainer, dann ab 12.Dez. 1984 als alleinverantwortlicher Trainer, die fechterische Leitung des AFCB  übernommen.

 

Die Aera der Club-Leitung unter den Präsidenten Hansrudolf Gnägi (1983–1992) und vor allem Urs Häuselmann (Vize 1984–1992, dann Präsident 1992–1995) waren geprägt  durch Vielseitigkeit und Originalität : Interclub-Brassards mit Solothurn, Thun, Biel mit anschliessendem kulinarischem Teil, Monatsbrassards innerhalb des AFCB, Coupe du Viceprésident, bezw. de la Viceprésidente, J+S-Kurse, etc.

 

Eine Einladung der jeweils am Studententurnier teilnehmenden ukrainischen Delegation führte 12 AFCB-Mitglieder unter der Leitung von Jürg Zysset (Rechnungsführer des Unisports) nach Charkow und in ein Trainingzentrum auf der Halbinsel Krim  (3.-15.Okt. 1990).  Die beschlossene Blutsbrüderschaft zwischen den beiden Fechtsport-Fans Leo (…Awerbach, Chef des Fechtclubs „Echo“ in Charkow) und Urs (…Vizepräsident des AFCB) überstand zwar die Zeiten nicht, aber der 10-tägige Aufenthalt in der spät-gorbatschow’schen Zeit in der Ukraine gestaltete sich zu einem eindrücklichen Erlebnis für alle beteiligten AFCB-ler.

 

Ende 1993 zog es Laszlo Heri wieder zurück in seine ungarische Heimat nach Budapest. Der AFCB ist wieder auf der Suche nach einem Trainer.

 

Im April 1994 übernimmt Ryszard Marszalek, der bis dahin den FC Biel trainiert hat, die fechterische Leitung und im Nov. 1995 Markus Friedli das Präsidium des AFCB.

Im Febr. 1999 wird Franz Rompza als Uni-Fechtmeister pensioniert; sein Nachfolger wird auch Ryszard Marszalek.

 

Der AFCB macht sowohl organisatorisch wie auch fechterisch von sich Reden :

Im April 2000 findet erstmals das Jugendturnier Ours de Berne  (im Rahmen des Circuit National de la Jeunesse) unter dem OK-Präsidium von Ralph Baumann mit über 200 Kindern und Jugendlichen statt.

Ab 2003 bis 2012 leitete Meret Kessler das OK, ab 2012 Isabella Aebi.

 

Im Mai 200 wird Präsident Markus Friedli Schweizermeister in Herren Degen Einzel.

im  Okt. 2001 Basil Hofmann gewinnt an der WM Degen Herren Einzel Silber Nizza; 2003 wird er SM im Degen Einzel.

 

Ab Nov. 2001 übernimmt Präsident Philippe Pfulg das AFCB-Präsidium von Markus Friedli.

Am 27.August 2005  feiert der AFCB sein 40-Jahr-Jubiläum mit einem rauschenden Fest im Schloss Landshut.

 

In den letzten Jahren hat sich neben erfolgreichen Turnierteilnahmen von Junioren und Juniorinnen auch die Veteranenszene entwickelt. Als sich 2004 die 3 AFCB-ler Thomas Merky, Philipp Pfulg und Markus Kellerhals für die Veteranen-Mannschafts-Europameisterschaft in Bergamo interessierten, gab es schweizweit keine weiteren Interessenten, so dass sich die drei keck als Mannschaft „Schweiz“ melden konnten. Ein paar Jahre später müssen Ausscheidungen gefochten werden, damit der Schweiz. Fechtverband aus einem Dutzend Fechter aus der ganzen Schweiz jene „drei Besten“ auslesen kann, die zusammengezählt 150 Jahre zählen (Reglement!).

 

Im Oktober 2010  wird Ryszard Marszalek sowohl als Uni-Fechtmeister wie auch als AFCB-Trainer pensioniert.

23.Okt 2010 wird er an einem grossartigen Fest im Keller des Zunfthauses „Zum Distelzwang“ mit vielem Dank für seine… Tätigkeit  verabschiedet. Im Jan. 2011 beendet er offiziell seine Tätigkeit als AFCB-Trainer; er lässt sich aber doch hin und wieder in der schwarzen Fechtmeister-Jacke im Fechtsaal sehen.

 

Ab Okt. 2010  ist Paul Wyrsch  als Fechtlehrer der Uni angestellt und leitet die Trainings des AFCB.

(März 2013 MK)